Klimakrise

Offener Brief von 23 Initiativen an alle Mitglieder von Stadtrat und Kreistag

Hintergrund

Wahrheitsgemäße Debatte über die Klimakrise gefordert

Lüneburg, 19.11.2020. 21 Lüneburger Initiativen fordern die Mitglieder von Stadtrat und Kreistag in einem offenen Brief auf, die Bevölkerung umfassend über die Klimakrise zu informieren. Obwohl die Gefahr durch den Klimawandel dramatisch zunimmt, fehlt es an Informationen über die Auswirkungen der Klimakrise auf lokaler Ebene sowie an entschlossenen Maßnahmen seitens der Politik in Hansestadt und Landkreis Lüneburg. Die Gesamtsituation wird bisher nur bruchstückhaft bewertet und erhält kaum Gewichtung im aktuellen politischen Diskurs. Strategien für die Anpassung an den Klimawandel liegen vor, verstauben aber seit etlichen Jahren in den Schubladen. Zahlreiche Problem- und Handlungsfelder sind entweder nicht erkannt oder unterschätzt worden.

Wie effektiv eine umfasssende Aufklärung und Handlungsempfehlungen funktionieren können, lässt sich im Kontext der Corona-Krise deutlich ablesen. Im Frühling diesen Jahres sind alle Haushalte in einem Rundbrief von Stadt und Landkreis über nötige Maßnahmen informiert worden; die positive Wirkung war sichtbar. Die Klimakrise und der drohende ökologische Kollaps sind nicht minder zu bewerten und zu behandeln. Trotzdem fehlt eine solche Informationskampagne in Sachen Klimakrise bisher.

Das will ein breiter Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Lüneburger Initiativen ändern. In einem offenen Brief an die Mitglieder von Stadtrat und Kreistag, der auf der Website von Lebendiges Lüneburg nachzulesen ist (lebendiges-lueneburg.de/raetebrief), fordern sie von den gewählten Vertreter*innen entschlossenes Handeln und klare Informationen zum Umgang mit der Klimakrise – denn die wissenschaftlichen Fakten zeigen eindeutig das Ausmaß und die Dringlichkeit der Klimakrise auf. „Ein multidimensionales Problem darf niemals nur eindimensional betrachtet werden!“, macht Thomas Mitschke von NABU Lüneburg deutlich. „Wir müssen endlich informieren, aufklären und vor allem lokal handeln! Hierzu braucht es eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, bei der alle Menschen in Stadt und Landkreis an einem Strang ziehen.“ Auch Katharina Harms von der Animal Rights Watch e.V. Ortsgruppe Lüneburg betont: „Uns droht ein Massenaussterben, Dürren und Überschwemmungen werden extrem zunehmen, wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln“. Die Mandatsträger*innen müssen die ganze Stadtgesellschaft zu konkretem Klimaschutz vor Ort bewegen und vor allem selbst handeln.

Der fehlende Wille zu grundlegenden Änderungen sei nicht mehr länger hinzunehmen, so der breite Zusammenschluss von Initiativen, wie den Lüneburger Ortsgruppen von Fridays For Future, Extinction Rebellion, Parents For Future, NABU und des PETA Zwei Streetteams. „Wir wollen mit der Politik in den Dialog zu einer angemessenen Kommunikation der Klimakrise kommen – und wenn das nicht fruchtet, müssen wir eigene Schritte ergreifen, den politischen Druck erhöhen“, so Annika Patry vom Klimaentscheid Lüneburg. Dabei ist diese Forderung ein Auftakt für weitere Aktivitäten sozial-ökologischer Gruppen in Stadt und Landkreis.

Der Brief im Wortlaut

Fakten zur Klimakrise endlich anerkennen und kommunizieren

Sehr geehrte Mitglieder des Stadtrats und des Kreistags,

die Corona-Krise hat gezeigt, was Politik leisten kann und wie wichtig verantwortliches und schnelles Handeln durch die gewählten Politiker*innen ist. Gestützt auf die Empfehlungen von Wissenschaftler*innen wurden weitreichende Schutzmaßnahmen erfolgreich durchgeführt. Die umfangreiche Kommunikation hierüber seitens Politik und Medien hat wesentlich zur Akzeptanz und Umsetzung der Maßnahmen beigetragen.

Die Klimakrise hingegen, die eine erheblich größere Bedrohung darstellt, wird auch von Ihnen nur unzureichend kommuniziert, obwohl dies Ihre Aufgabe und Pflicht als gewählte Politiker*innen ist. Völlig unzureichend sind auch die bisher von Ihnen in Angriff genommenen Maßnahmen, um die Erderhitzung und das massive Artensterben noch zu begrenzen.

Die gezeigte Entschlossenheit in der Corona-Politik lassen Sie in der Klimapolitik gänzlich vermissen; diese planetare Krise wird von Ihnen als Notfall weder erkannt noch behandelt. Dabei gibt es in der seit langem von Wissenschaftler*innen erforschten Klimakrise einen Konsens: Der Menschheit droht in den kommenden Jahrzehnten globales Massensterben, wenn wir weiter unsere Lebensgrundlagen zerstören. Auch Deutschland wird u. a. von Überschwemmungen, Dürren und globaler Massenmigration massiv betroffen sein. Websites wie PfadA.de und Klimafakten.de ermöglichen, sich über die Fakten zur Klimakrise zu informieren. Nehmen Sie diese Fakten endlich ernst!

Die konsensualen Lösungen für die Klimakrise liegen ebenfalls seit Langem auf dem Tisch. Diese müssen nun schnell und entschlossen umgesetzt werden. Denn eine fundamentale Aufgabe von politischen Repräsentant*innen ist der Schutz der Bevölkerung; dieser Schutz wird Ihrerseits wissentlich missachtet. Werden Sie endlich Ihrer Verantwortung gerecht!

Der Lüneburger Öffentlichkeit wird zwar suggeriert, man nehme die Klimakrise ernst, u. a. mit Maßnahmen wie Baumpatenschaften, Streuobstwiesen und Zukunftsstadt-Experimenten. Doch derartige Maßnahmen sind unzulänglich, um die CO2-Emissionen erheblich zu reduzieren und unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren.

Wir fordern Sie auf: Erkennen Sie die Klimakrise als existenzielle Krise an und informieren Sie die Lüneburger Bevölkerung regelmäßig über die Fakten zur Klimakrise und deren bedrohliche Folgen. Sprechen Sie zudem deutliche Empfehlungen aus, wie jede*r Einzelne dem entgegenwirken kann. Die offene Kommunikation der Klimakrise ist Ihre Pflicht als Mandatsträger*innen!

Nach Jahrzehnten des Vertagens und Verdrängens formieren wir uns als breites und handlungsfähiges Bündnis zivilgesellschaftlicher Initiativen. Wir wünschen, zeitnah mit Ihnen in Dialog zu treten.

Freundliche Grüße

Unser Bündnis der unten genannten Lüneburger Gruppen können Sie unter klimabuendnis@lebendiges-lueneburg de erreichen.